Europäischer Aal

Aal in seinem natürlichen Habitat
Aal in seinem natürlichen Habitat © Rostislav – stock.adobe.com

Der Europäische Aal gehört zu den interessantesten Bewohnern der heimischen Gewässer. Sein faszinierender, einzigartiger Lebenszyklus war lange ein Rätsel für die Menschheit. Zwei Mal in seinem Leben wandert der beliebte Angel- und Speisefisch quer über den Atlantik. Diese Reise wurde in den letzten Jahrzehnten durch die Industrialisierung der Flüsse immer mühevoller. Unbestritten ist dabei seine wirtschaftliche Bedeutung für die europäische Küsten- und Binnenfischerei. Deswegen wird bei uns mit massiven Besatzmaßnahmen gegen das Aussterben der Aalbestände vorgegangen. Der Europäische Aal wurde in Deutschland 1995 sowie 2009 zum „Fisch des Jahres“ erklärt.

Aal-Steckbrief

NameEuropäischer Aal
SynonymeFlussaal, Süßwasseraal
Wissenschaft. NameAnguilla anguilla
FamilieAnguillidae
GattungAale (Anguilla)
OrdnungAalartige (Anguilliformes)
VorkommenEuropa, Nordafrika, Kleinasien
HabitatBinnengewässer, Küstengewässer
Größebis zu 150 Zentimeter
Gewichtbis zu 6 Kilogramm
Alterzwischen 20 und 80 Jahre
GefährdetJa

Habitat

Obwohl der Europäische Aal im atlantischen Ozean schlüpft, verbringt er die meiste Zeit seines Lebens in den Binnengewässern Europas. Dort besiedelt er ans Meer angebundene Flüsse und Seen, sei es Süß- oder Brackwasser. Im Optimalfall sind es flache und nährreiche Seen mit schlammigen Böden. Als Grundfisch versteckt er sich nämlich tagsüber im Schlamm. Ansonsten bieten ihm Steine, Totholz und Spalten weitere Deckungsmöglichkeiten. Durch künstliche Besatzmaßnahmen sind Aalbestände auch in Gewässern vorhanden, in denen sie auf natürlichem Wege nicht mehr vorkommen. Hier halten sie sich die nächsten Jahre bis zur Geschlechtsreife auf.

Da der Aal ein katadromer Wanderfisch ist und zum Laichen zurück ins Meer wandert, trifft man den Fisch auch im Salzwasser an. Bei der Rückkehr der geschlüpften Jungtiere setzt sich ein Teil der Population in den atlantischen Küstengewässern, dem Mittel- und dem schwarzen Meer sowie der Nord- und Ostsee ab.

Europäische Aale überleben bei Temperaturen von 0 bis 30°C, bevorzugen aber zwischen 20 und 25°C.

Aal-Merkmale

Aussehen

Unter den heimischen Fischen weist der Aal eine unverwechselbare Charakteristik auf. Sein langgestreckter, zylindrischer und dünner Körper ähnelt dem einer Seeschlange. Im hinteren Bereich flacht er seitlich ab. Die Haut ist dick und mit vielen winzigen, länglichen Schuppen bedeckt. Zusätzlich ist er von einer glitschigen Schleimschicht umgeben. Der schmale Kopf hat ein oberständiges Maul. Dieses ist mit kurzen, spitzen Hechelzähnen besetzt. Seine röhrenartigen Nasenlöcher ermöglichen dem Aal einen überragenden Geruchssinn. Die kleinen vertikalen Kiemenöffnungen sind auf den ersten Blick kaum zu sehen.

Die unpaarigen Rücken-, Schwanz- und Afterflossen bilden einen durchgängigen Flossensaum, welcher sich über den Großteil des Aals erstreckt. Die kleinen paarigen Brustflossen liegen direkt hinter den Kiemen. Bauchflossen sind nicht vorhanden. Insgesamt sind etwa 500 Flossenstrahlen zählbar.

Farbe

Die Rückenseite eines ausgewachsenen Aals ist schwarz-braun. Der Bauch ist silbrig-grau und die Seiten weisen einen metallischen Glanz auf. Die Flossen sind dunkel.

Alter

In freier Wildbahn können Aale 20 bis 50 Jahre alt werden. In der Gefangenschaft sogar bis zu 80 Jahre. Es gibt keine einfach festzustellenden Altersmerkmale, an denen man sich orientieren kann. Durch eine Laboranalyse kann das Alter eines Aals bestimmt werden.

Lebensweise

Aale im Versteck
Aale im Versteck © slowmotiongli – stock.adobe.com

Jagdverhalten und Ernährung

Aale sind territoriale Einzelgänger, die nur bei Wanderungen Schwarmverhalten aufweisen. Während sie sich tagsüber am Grund verstecken, werden sie in den Dämmerungs- und Nachtstunden aktiv. Als geschickte Raubfische fressen sie alles, was sie erlegen können.

Das Beutespektrum besteht je nach Entwicklungsstadium aus Insektenlarven, Würmern, Krebsen, Fischlaich und schlussendlich aus Fischen. Im Mittelwasser und an der Oberfläche jagen sie in der Dunkelheit sämtliche Kleinfische. Dabei verlassen sie sich komplett auf ihren feinen Geruchssinn. Damit können sie einzelne Moleküle wahrnehmen und so den Duft in allen 3 Dimensionen verfolgen (räumliches Riechen).

Fortpflanzung

Der Aal vermehrt sich nur ein einziges Mal in seinem Leben. Zum Laichen wandert er etwa 5.000 Kilometer zur Sargassosee quer über den Atlantik. Die Sargassosee ist ein 5,3 Millionen Quadratkilometer großes Meeresgebiet nordöstlich der Bahamas.

Abhängig vom Geschlecht und den Lebensbedingungen der Aale, wird die Geschlechtsreife zwischen 5 und 50 Jahren Lebenszeit erreicht. Dabei spielen Nahrungsangebot und Wassertemperatur eine große Rolle. Weibliche Aale erreichen in der Regel zwischen 9 und 20 Jahren das Blankaal-Stadium. Männliche Aale bereits im Alter von 6 bis 12 Jahren. Das Alter in dem der Aal zur Fortpflanzung fähig ist, ist stark regionsabhängig. In guten Binnengewässer wird die weibliche Geschlechtsreife bei 9 bis 12 und in Küstengewässern erst bei 10 bis 17 Jahren erreicht.

Zwischen September und November wandern die fortpflanzungsfähigen Aale Richtung Meer. Zuerst versuchen die Tiere teilweise sehr mühselig zu den großen Strömen zu gelangen. Danach lassen sie sich gekrümmt flussabwärts treiben. Hauptsächlich in den Abend- und Nachtstunden sowie bei regnerischem und stürmischem Wetter ziehen sie aus den Heimatgewässern ab. Sobald sie an die Flussmündungen gelangen, tauchen sie sofort in die Tiefe.

Ohne weitere Nahrungsaufnahme geht der transatlantische Marathon nun weiter gen Golfstrom. Dabei verbrennen die Tiere ihre angefressenen Fettreserven. Tagsüber halten sie sich im kühlen Wasser in Tiefen von 200 bis 1000 Metern auf. Nachts geht es im oberen Bereich weiter. Innerhalb von 1 bis 2 Jahren erreichen sie die Sargassosee.

Im Frühjahr laichen die Weibchen in einer Tiefe 3000 bis 5000 Metern Millionen von Eiern ab. Die etwa 0,12 Millimeter kleinen Eier werden von den Männchen besamt. Die Körper der Aale sind nach dem Wandern völlig erschöpft und die Knochen abgebaut. So sterben sie nach der Paarung in der Sargassosee. Die Eier schweben im Wasser, bis aus ihnen winzige Larven in der Größe von 5 Millimetern schlüpfen. Der Kreislauf geht mit den Weidenblattlarven weiter.

Aal-Entwicklung

Aal Entwicklung von Larve zum Blankaal
Die Entwicklung des Aals © marina – stock.adobe.com

Larvenstadium

Die durchsichtigen Weidenblattlarven (Leptocephalus) sind nach ihrer Gestalt benannt. Die rundliche und flache Form hilft ihnen dabei sich von den Meeresströmungen treiben zu lassen. Mithilfe des Golf- und des Nordatlantischen Stromes, ist es nun ihre Aufgabe zur europäischen Küste zurückzukehren. Sie schwimmen dabei aus eigener Kraft und lassen sich nicht ausschließlich treiben Die ozeanische Reise der winzigen Larven dauert etwa drei Jahre. Dabei ernähren sie sich von Plankton. Kurz vor ihrem Ziel ca. 100 Kilometer vor der Küste durchlaufen sie die erste Metamorphose zum Glasaal. Innerhalb kürzester Zeit finden enorme körperliche Veränderungen statt.

Glaasaal

Glasaale sind nach der Umwandlung 5 bis 7 Zentimeter groß und wiegen nur 1 Gramm. Sie sind weiterhin farblos, sodass man ihre Organe sieht. Sie besitzen nun bleibende Zähne und ein ausgebildetes Verdauungssystem. Jetzt können sie sich von Kleintieren ernähren und wachsen. Insektenlarven, Würmer und Muscheln stehen auf dem Speiseplan. Beim Erreichen der Küste gilt es nun Flussmündungen zu finden und und das Landesinnere zu besiedeln. Dabei hilft ihnen der bereits außerordentlich ausgeprägte Geruchssinn. Ein kleiner Teil der Population bleibt jedoch im küstennahen Brackwasser und in den Flussmündungen. Dort verbleiben sie, bis sie geschlechtsreif sind. Während die Glasaale in Schwärmen die Flüsse hochsteigen, nimmt ihre Pigmentierung mehr und mehr zu. Ab jetzt kann man vom Gelbaal sprechen.

Jugendlicher Gelbaal

Mit dem Hochsteigen der Binnengewässer fängt die Hauptwachstumsphase des Europäischen Aals an. Diese Wanderung kann mehrere Jahre dauern. Ihr Rücken färbt sich zunehmend braun-grau und die Unterseite grünlich-gelb. Die Größe wird in den ersten beiden Jahren mehr als verdoppelt, bevor sich das Wachstum wieder verlangsamt.

Um zu den nährreichen Seen zu gelangen, müssen öfters Hindernisse überwunden werden. Der Steig- bzw. Gelbaal kann sich wenn nötig eine Zeit lang über feuchtes Land fortbewegen. Dabei nehmen sie Sauerstoff über ihre Haut auf. Um nicht auszutrocknen schließen sie währenddessen ihre kleinen Kiemenöffnungen.

Ist das Zielgewässer erreicht, beschäftigen sich die Aale bis zur Eintreten der Geschlechtsreife ausschließlich mit der Nahrungsaufnahme. Denn für die nächste Reise sind ordentliche Fettreserven unentbehrlich. Dabei können sie je nach Nahrungsangebot zwei unterschiedliche Formen annehmen. Wie der Name bereits verrät, hat der Spitzkopfaal hat  einen schmalen Kopf und eine spitze Schnauze. Als Allesfresser verschlingt er weiterhin Kleintiere  und Pflanzenteile. Der Breitkopfaal ist dagegen rein räuberischer Natur und jagt Fische mit seiner breiten Schnauze. Beide Arten können parallel zueinander in einem Gewässer existieren.

Sobald die Aale geschlechtsreif sind, werden sie rastlos. Es zieht sie zu ihrem Ursprung, der Sargassosee zurück.

Erwachsener Blankaal

Mit Beginn des Reifungsprozesses wechselt die gelbliche Unterseite in ein silbriges Grau. Der Rücken wird schwarz-braun. Innerhalb von vier Wochen durchlebt der Aal die zweite Metamorphose zum Silber- bzw. Blankaal. Das ist die Vorbereitung zur anstehenden Reise über den Atlantik. Seine Kopfform wird spitzer. Die Augen vergrößern sich fast auf den doppelten Durchmesser. Die Brustflosse wird ebenfalls größer. Der After und der Verdauungstrakt bilden sich zurück, da die Nahrungsaufnahme langsam gestoppt wird. Im Meer hört sie dann komplett auf. Gleichermaßen entwickeln sich die Geschlechtsorgane auch erst auf der Reise im Meer.

Feinde des Aals

Larven und Glasaale werden von anderen Raubfischen z.B. von Hechten oder Zandern gefressen. Eine weit größere Gefahr für die Fische ist jedoch der Mensch. Die kommerzielle Überfischung von Glasaalen an den Flussmündungen ist ein großes Problem, da die natürliche Population der Aale dadurch stark dezimiert wird. Der Glasaal gilt als Delikatesse in Asien und es existiert auch ein Schwarzmarkt. Die Verbauung von Gewässern an denen die Aale hochsteigen sowie Wasserkraftwerke reduzieren den Bestand immens. Zusätzlich hat der Europäische Aal mit dem Schwimmblasenwurm zu kämpfen. Dieser Parasit wurde aus Japan eingeschleppt. Er dringt in die Schwimmblase der Aale ein, und ernährt sich dann von ihrem Blut. Befallene Aale verlieren durch die Appetitlosigkeit an Gewicht und somit Kraft. Viele betroffene Aale schaffen es nicht die Sargassosee zu erreichen und verenden auf dem Weg. Darüber hinaus sind sie in diesem geschwächten Zustand anfälliger für Raubfische.

Der Aal als Speisefisch

Der Aal ist ein begehrter Speisefisch und zeichnet sich durch sein fetthaltiges Fleisch aus. Mit einem Körperfettanteil von 30 Prozent gehören vor allem ältere Aale zu den Fettfischen. Er ist eine hervorragende Quelle für Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren und Träger von wertvollen Mineralstoffen. Es sind nur Hauptgräten vorhanden.

Geräucherter Aalspieß ist deswegen sehr beliebt. Sein kräftiger Eigengeschmack kommt auch beim Braten, Kochen oder Backen gut zum Vorschein.

Das Blut des Aals enthält jedoch das Nervengift Ichthyotoxin. Da es ein giftiges Protein ist, wird es beim Erhitzen neutralisiert. Trotzdem sollte man bei der Zubereitung darauf achten, es nicht in die Augen oder Schleimhäute zu bekommen. Ansonsten kann es zu lang anhaltenden Entzündungen kommen. Am besten trägt man Handschuhe oder bestellt zubereitetes Fleisch vom Händler.

Roher Aal
Roher Aal

Aal-Nährwerte

pro 100 g Aal

Kalorien (kcal)278 kcal
Eiweiß15 g
Fett23,3 g
Kohlenhydrate0 g
Ballaststoffe0 g

Geschmack

Aalfleisch ist sehr zart und weist einen charakteristischen Eigengeschmack auf. Da Aal sehr intensiv schmeckt, kann er eine gelungene Abwechslung zu anderem Fisch darstellen. Das Fleisch ist von Natur aus sehr aromatisch, weshalb besser sparsam mit Gewürzen umgegangen werden sollte. Hierzu greift man am besten auf geschmacksneutralere Beilagen zurück und verzichtet auf dominantes Gemüse wie Zwiebeln und Knoblauch. Tomaten, Zucchini und Karotten eignen sich hervorragend als Beilage.

Jetzt bei uns weiterstöbern:

Bachforelle

Barsch

Hecht

Wels

Zander

Beliebte Beiträge