Europäischer Wels

Wels unter Wasser
Wels in seinem natürlichen Habitat© laplacedaemon – stock.adobe.com

Der Flusswels ist der größte in Europa vorkommende reine Süßwasserfisch. Bei der Jagd verlässt sich der Raubfisch nicht auf seine Augen, sondern auf seinen Geruchs-, Tast- und Hörsinn. Es kursieren viele Gerüchte um die potenzielle Größe des Welses und seinen Speiseplan. So existieren Geschichten von Welsen mit einer Länge von über 3 Metern, oder Fischen, die selbst kleine Hunde verschlungen haben sollen. Da der europäische Wels ein sehr beliebter Zielfisch unter Anglern ist, wurde er in vielen Gewässern ausgesetzt in denen er früher nicht heimisch war. Der Franzose Jean-Christophe Conèjéro fing 2017 mit einer Länge von 2,74 Meter den größten bisher beurkundeten Wels an der Angel.

Wels-Steckbrief

NameEuropäischer Wels, Flusswels
SynonymeWaller, Schaidfisch, Wels
Wissenschaft. NameSilurus glanis
FamilieEchte Welse (Siluridae)
GattungSilurus
OrdnungSiluriformes
VorkommenVon Mittel- und Osteuropa bis Zentralasien
HabitatFlüsse und Seen mit schlammigem Grund, Seen mit geringem Salzgehalt sowie Brackwasser
Größe1-3 Meter
Gewicht10-150 Kilogramm
Alter60-100 Jahre
GefährdetNein

Habitat

Der Europäische Wels ist in Mittel- und Osteuropa bis Zentralasien beheimatet. Die Fische bevorzugen große Flüsse und Seen mit schlammigem Grund. Flusswelse kommen auch in Seen mit geringem Salzwassergehalt und Brackwasserbereichen wie zum Beispiel in Teilen der Ostsee vor. Die Tiere sind Überlebenskünstler und relativ unempfindlich gegenüber Verschmutzung. Aufgrund des hohen Hämoglobingehalts ihres Bluts kommen Welse auch mit einer geringen Sauerstoffkonzentration von Gewässern klar.

Die optimale Temperatur des Wassers beträgt dabei 25 bis 27 °C. Der Europäische Wels verträgt aber auch deutlich niedrigere Wassertemperaturen, was allerdings ein eingeschränktes Wachstum zur Folge haben kann.

Ausgewachsene Flusswelse sind territoriale, standorttreue Einzelgänger, die ruhige mit Wasserpflanzen bewachsene Bereiche bevorzugen. Junge Welse dagegen können in Gruppen angetroffen werden und halten sich auch in strömenden Bereichen von Gewässern auf.

Wels-Merkmale

Aussehen

Welse sind massive Fische mit einem langen Körper. Von glatter, schleimiger Haut ummantelt, ist der Wels im Gegensatz zu vielen anderen Fischen schuppenlos. Der Rumpf ist vorne kräftig gebaut, rund und hinter dem After seitlich abgeflacht und schlanker.

Der Wels hat einen großen, breiten und abgeflachten Kopf, der in etwa 20% der Gesamtlänge des Fischs ausmacht. Welse besitzen kleine Augen, welche seitlich neben den Barteln am Oberkiefer zu finden sind. Die Barteln sind lang, knorpelverstärkt und hoch beweglich. Am Kinn des Welses finden sich noch zwei Paare kürzerer und unbeweglicher Barteln.

Die vorderen Nasenöffnungen stechen deutlich heraus und liegen zwischen den Oberkieferbarteln. Dicht dahinter finden sich die hinteren Nasenöffnungen, welche gut entwickelt sind. Dies lässt vermuten, dass der Geruchssinn des Welses stark ausgeprägt ist. Der Wels hat ein großes, breites Maul mit hervorragendem Kiefer und fleischigen Lippen. Im Maul befinden sich kleine, flache Bürstenzähne, die nach hinten gerichtet sind. Am Gaumen und Pflugscharbein kommen ebenfalls, wenn auch besonders kleine Zähne vor.

Die Kiemen von europäischen Welsen sind groß, tief und ihr Rand bedeckt die Basis der Brustflossen. Die Rückenflosse fällt sehr klein aus und befindet sich hinter dem Kopf des Fisches am Ende des ersten Körperdrittels. Groß und kräftig hingegen fallen die Brustflossen aus. Sie reichen bis zum Ansatz der deutlich kleineren Bauchflossen. Die Afterflosse des Welses reicht bis dicht an die Schwanzflosse heran und wirkt beinahe abgeschnitten.

Farbe

Flusswelse weisen unterschiedliche Färbungen auf, die meist an den Lebensraum angepasst sind. Die Farbgebung stellt sicher, dass der ruhende Wels gut getarnt ist. Die Oberseite der Fische ist grau bis dunkel und variiert von schwarz, blauschwarz, dunkelbraun bis dunkelgrün. Die Seiten dagegen sind heller, die Grundfärbung ist meist marmorfarben getüpfelt. Der Kopf ist in der Regel dunkler und einfarbig, während die Lippen heller sind. Der Bauch der Welse ist hell und kann sowohl einfarbig, als auch scheckig sein.

Geschlechtsmerkmale

Optisch lassen sich beim Wels keine herausstechenden Geschlechtsmerkmale festmachen. Männliche Welse gleichen Alters sind häufig einen Tick länger und ältere Männchen besitzen einen kantigeren Oberkiefer. Die Weibchen hingegen sind schwerer und haben einen deutlich geschwollenen Unterleib, wenn sie trächtig sind. Männchen besitzen eine schmalere Afteröffnung und eine zugespitzte, leicht gerunzelte Geschlechtswarze. Die weibliche Geschlechtswarze hingegen ist ovaler, geschwollen und endet gerundet.

Größe

Abhängig von seinem Lebensraum erreicht der Wels in der Regel eine Körperlänge zwischen einem und eineinhalb Metern und ein Gewicht zwischen 10 und 50 Kilogramm. Da Flusswelse ihr ganzes Leben lang wachsen, sind allerdings auch deutlich höhere Werte möglich. Heutzutage wird für den Wels eine Maximallänge von 3 Metern angegeben. Berichte aus dem achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert dokumentierten allerdings deutlich größere Welse. In der Ukraine wurden angeblich bis zu fünf Meter lange Welse gefangen und aus der Oder soll ein Angler 1731 einen 375 Kilogramm schweren Wels gezogen haben.

Der größte verlässlich dokumentierte Wels an der Angel wurde 2017 von Jean Christophe Conéjéro in einem Fluss im Süden Frankreichs mit einem Zeck Fishing Belly Stick geangelt und hatte eine Länge von 2,74 Meter. Der Wels wird in seiner Größe nur von Stören übertroffen. Da diese jedoch keine reinen Süßwasserfische sind, ist der Flusswels der größte reine Süßwasserfisch Europas.

Alter

Anhand der Zuwachsringe der Wirbel oder der Brustflossenringe kann man das Alter des Welses bestimmen. In Gefangenschaft wurde ein Höchstalter von 60 Jahren und in freier Wildbahn ein Höchstalter von 80 Jahren dokumentiert. Das mögliche Höchstalter eines Welses wird auf etwa 100 Jahre geschätzt.

Lebensweise

Ernährung

Der Wels ist ein nachtaktiver Raubfisch, der beinahe alles frisst, was in sein Maul passt. Den größten Anteil seiner natürlichen Beute stellen dabei die im Habitat zahlenmäßig dominierenden Fische dar. Große Welse jagen auch Säugetiere, Amphibien und Vögel, die normalerweise nicht in das Beuteschema heimischer Süßwasserraubfische passen. Da der Wels Beutetiere unterschiedlicher Größe jagt, steht ihm ein sehr breitgefächertes Nahrungsangebot zur Verfügung. Flusswelse fressen überwiegend nachts und verstecken sich tagsüber am Grund, meist zwischen Wasserpflanzen. Die Augen spielen beim Aufspüren der Beute keine große Rolle, der Wels verlässt sich auf seinen hervorragenden Tast-, Geruchs-, und Geschmackssinn.

Wels frisst Fisch
Wels frisst Fisch© Rostislav – stock.adobe.com

Fortpflanzung

Steigt die Wassertemperatur auf 17-18 °C beginnt die Laichzeit des europäischen Flusswelses. Das Männchen bereitet einen Laichplatz in Ufernähe vor und wartet dort auf ein geeignetes Weibchen. Nach einem stürmischen Vorspiel findet die Paarung in den Abendstunden bei einer Wassertemperatur von 22-23°C statt und dauert ungefähr eineinhalb bis zwei Stunden. Das Weibchen produziert pro Kilogramm Körpergewicht zwischen 20.000 und 25.000 Eiern, die einen Durchmesser von 1,4 bis 2 Millimeter aufweisen. Die befruchteten Eier schwellen anschließend bis zum Schlupfzeitpunkt an und können einen Durchmesser von bis zu 4,5 Millimetern erreichen. Da die Eier sehr wasserresistent und damit anfällig für Verpilzung und Sauerstoffmangel sind, frischt der männliche Wels das Wasser um die Eier regelmäßig mit seiner Schwanzflosse auf.

Entwicklung

Larvenstadium

Nach zwei bis drei Tagen schlüpfen die kaulquappenähnlichen Larven und sind relativ hilflos. Sie sinken auf den Grund und beginnen nach weiteren zwei bis drei Tagen sich zu bewegen. Da sie im direkten Sonnenlicht sterben, verstecken sie sich in dunklen Gewässerbereichen. Nach zehn Tagen haben die Larven ihren Dottersack aufgebraucht und beginnen mit der Nahrungssuche. Am Anfang fressen die kleinen Welse Zooplankton, später stehen Krebstiere, Insektenlarven, Würmer und kleine Schnecken auf dem Speiseplan. Nach zwanzig Tagen haben die Tiere eine Länge von 2,5 Zentimetern erreicht und verabschieden sich von ihren larvalen Merkmalen.

Entwicklung als Jungtier

Ab einer Länge zwischen 2,5 und 3 Zentimetern fangen die kleinen Welse aktiv an zu jagen und schrecken bei Nahrungsmangel auch nicht vor Kannibalismus zurück. Flusswelse wachsen sehr schnell und erreichen bereits im ersten Jahr eine Länge zwischen 20 und 50 Zentimetern. Nach zwei Jahren ist der durchschnittliche Wels auf eine Größe von 40 Zentimetern herangewachsen und erreicht mit sechs bis sieben Jahren eine Größe von einem Meter. Die Wachstumsrate und Geschlechtsreife variiert deutlich und ist abhängig vom Nahrungsangebot und der Klimabeschaffenheit. Im Durchschnitt erreichen Welse zwischen zwei und drei Jahren ihre Geschlechtsreife. In kalten Klimazonen allerdings auch erst ab neun Jahren. Hat der Wels seine Geschlechtsreife erreicht, nimmt das Längenwachstum ab und die Gewichtszunahme steigt.

Feinde des Welses

Ein ausgewachsener Wels hat abgesehen von Gewässerverschmutzung und Anglern keine natürlichen Feinde. Jungtiere hingegen werden gerne von diversen Raubfischen, Vögeln, Schlangen und Säugetieren erbeutet.

Der Wels als Speisefisch

Der Wels ist ein beliebter Speisefisch und zeichnet sich durch sein weißes Fleisch aus. Die Verarbeitung des Welses ist denkbar leicht, da sein festes Fleisch nur wenige Gräten aufweist. Der Wels gehört zu den Fettfischen und zu den Lieferanten wichtiger Omega-3-Fettsäuren. Auch wenn der Name “Fettfisch” im ersten Moment abschreckend klingen mag, handelt es sich hier um durchaus gutes Fett. Es besteht zu 85% aus einfachen- oder gesättigten- und nur zu 15% aus ungesättigten Fettsäuren. Wels kann also auch ohne Bedenken beim Abnehmen gegessen werden.

Filetierter Wels
Filetierter Wels

Wels-Nährwerte

pro 100 g Wels

Kalorien 163 kcal
Eiweiß15,3g
Fett11,3g
Kohlenhydrate0g
Ballaststoffe0g

Wels-Geschmack

Welsfleisch zeichnet sich durch seinen angenehm milden Geschmack aus, der an Kalbfleisch erinnert. Wie auch bei anderen Tieren unterscheidet man hier zwischen Wels aus biologisch, ökologisch einwandfreier Herkunft und Wels aus der Massenzucht. Das Fleisch älterer Fische ist sehr tranig und fett. Darum wird der Verzehr kleinerer Welse von einer Größe bis zu maximal einem Meter empfohlen.

Jetzt bei uns weiterstöbern:

Aal

Bachforelle

Barsch

Hecht

Zander

Beliebte Beiträge